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Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar

Wort der Woche

Wort der Woche

26.07.2026, 08:14 Uhr

Wort der Woche

Sei du selbst, alle anderen sind schon vergeben.

Oscar Wilde

Liebe Gemeindeglieder in Wendlingen am Neckar,

Authentizität ist hoch im Kurs.

Christian Streich, bis vor 2 Jahren Trainer des SC Freiburg und zuletzt als ZDF-Experte an der Seite von Katrin Müller-Hohenstein bei der WM zu sehen, ist ein Paradebeispiel für Authentizität. Weil er sagt, was er denkt. Weil er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Weil er hinter dem, was er sagt, steht. Sei es als Fussballexperte oder auch als kritisch denkender Bürger in unserem Land. Und vor allem als Mensch, der den Mut hat, eine Position zu vertreten.

Seinen Ursprung hat das Wort Authentizität im Griechischen. Dort bedeutet authenticos „echt“.

Wer authentisch ist, ist echt.

Also ein Mensch, der nichts vorspielt, um bestimmten Erwartungen gerecht zu werden. Einer, sich der nicht von äußeren Einflüssen, sondern von seinen Überzeugungen bestimmen lässt. Und eben auch einer, der nicht versucht, andere zu kopieren.

Das nämlich ist in doppelter Hinsicht ein Verlust.

Zum Einen ist keine Kopie so gut und so reizvoll wie das Original. Und zum anderen verliere ich ja mich als Original, wenn ich meine, zur Kopie eines anderen werden zu müssen.

Ein Beispiel: Ich habe bei Prof. Dr. Eberhard Jüngel in Tübingen studiert. Seine Gedanken und auch die Art und Weise wie er gepredigt hat, schätze ich sehr. Als Pfarrer in meinen ersten Berufsjahren habe ich eine zeitlang versucht, seinen Predigtstil zu kopieren. Das gelang mehr recht als schlecht. Und vor allem war das nicht authentisch. Das war Jüngel-Abklatsch, aber nicht ich. Irgendwann habe ich damit aufgehört. Und meinen eigenen Stil gefunden.

Natürlich ist auch der geprägt von Ideen und Gedanken anderer. Aber es ist mein Stil, geworden.

„Sei du selbst, alle anderen sind schon vergeben“, sagt Oscar Wilde. Und er hat recht.

Eines allerdings möchte ich noch ergänzen: Es gibt in einem Menschenleben Situationen, da weiß ich gar nicht, wer oder was ich bin. Da prägt Ambivalenz mein Leben. Da fühle ich mich hin- und hergeworfen. Da fehlt mir der innere Halt und auch die Kraft zur Authentizität. Vielleicht weil ich mich verloren habe.

Kein geringerer als Dietrich Bonhoeffer kannte das.

In seinem berühmten Gedicht „Wer bin ich?“ setzt er sich genau damit auseinander.

Und er kommt zu einem wertvollen Schluss:

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?

Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Also: Authentizität ja. Nur Mut. Es lohnt sich. Und es ist so wichtig, dass es Menschen gibt, an denen man sich reiben kann. Die sich nicht nach überall hin absichern und immer fragen, ob sie es allen recht machen. Ich bin mir sicher: Christian Streich, der niemandem nach dem Mund redet, hat gerade deshalb so hohe Popularitätswerte.

Aber auch wenn es Zeiten gibt, in denen ich mich wie eine Fahne im Wind fühle, auch dann gibt mir einer Halt.

Weil sein Interesse an mir als Person echt ist.

Authentisch.

„Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Ihr Pfarrer Peter Brändle

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