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Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar

Wort der Woche

Wort der Woche

19.07.2026, 08:04 Uhr

Wort der Woche

Was sich verwandt ist, kann sich nicht ewig fliehen.

  • Friedrich Hölderlin

Liebe Gemeindeglieder in Wendlingen am Neckar,

was sich bei Friedrich Hölderlin poetisch so anhört, klingt etwas prosaischer so: Freundschaften wechseln. Liebhaber auch. Geschwister bleiben für immer! Ich habe das in den letzten Wochen wieder erfahren. Obwohl der Kontakt zu meinen beiden Geschwistern nicht besonders eng ist, gilt es jetzt, da unsere Eltern beide pflegbedürftig sind, gemeinsam nach Wegen zu suchen und Entscheidungen zu treffen.

Fliehen, auch voreinander, geht nicht, zumindest nicht auf Dauer.

Das ist gar nicht so ganz einfach, zumal wenn man feststellt, dass man Dinge unterschiedlich einschätzt, wahrnimmt und fühlt.

Da dann trotzdem miteinander auf dem Weg zu bleiben erfordert ein hohes Maß an Reflexion und manchmal auch Selbstdisziplin. Gerade im Umgang mit denen, die einem eigentlich so nahe sind, ist das Eis manchmal sehr dünn.

Da ist es dann auch nicht immer sinnvoll, alles zu sagen, was man denkt. Mir fällt das nicht leicht, in der Regel muss ich rauslassen, was ich auf dem Herzen habe. Aber ich übe. Und oft gelingt es ganz gut. Was mir dabei hilft: Ein Satz, den mir Dorothee Sölle vor langer Zeit mal mit auf den Weg gegeben hat: „Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht zwei Wochen lang in seinen Mokassins gegangen bist.“ Für mich heißt das: Meine Perspektive, meine Sicht der Dinge, das ist meine Sicht. Andere, auch Geschwister, haben eine andere.

Auch eine andere Geschichte mit den Eltern. Und es gilt dann, miteinander nach einem Weg zu suchen, den alle mitgehen können. Möglichst ohne, dass eine/r abgehängt wird.

Eine große Herausforderung, aber auch etwas, was einen, wenn's gut läuft, in aller Unterschiedlichkeit zusammen wachsen lässt.

Ich habe mich gefreut, als kürzlich jemand in unserer Familiengruppe geschrieben hat: „In aller Verschiedenheit sind wir doch ein gutes Team.“ ich hoffe das bleibt so. Und es gelingt mir weiterhin, nicht immer, aber manchmal, den Mund zu halten.

Ihr Pfarrer Peter Brändle

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