

Evangelische Kirchengemeinde Wendlingen am Neckar

Wort der Woche
Wort der Woche
Liebe Gemeindeglieder in Wendlingen am Neckar,
am 1. Juni wäre Marilyn Monroe 100 Jahre alt geworden.
Der nicaraguanische Prieser Ernesto Cardenal hat nach ihrem Tod ein Gebet für Sie geschrieben:
„Herr, nimm dieses Mädchen auf.
Alle Menschen kannten sie unter dem Namen Marilyn Monroe, obwohl das nicht ihr wirklicher Name war. Doch du kennst ihren Namen, den des Waisenkindes, das vergewaltigt wurde mit 9 Jahren, den Namen der Verkäuferin, die mit 16 versuchte, ihrem Leben ein Ende zu machen, und die jetzt vor dir steht ohne Make-up, ohne ihren Manager, ohne Fotografen, die keine Autogramme mehr gibt, die einsam ist wie ein Astronaut vor der Nacht des Universums.
Der Film ist aus – doch es gibt kein Happy End.
Man fand sie tot in ihrem Bett, den Hörer in der Hand.
Und die Detektive wussten nicht, mit wem sie sprechen wollte.
Es war, wie wenn jemand die Nummer der einzigen Freundesstimme wählt und eine Stimme vom Tonband hört, die schnarrt: Wrong Number. Herr, wer es auch sei, den sie anrufen wollte und nicht erreichte, vielleicht war es niemand oder jemand, dessen Nummer nicht im Telefonbuch von Los Angeles steht, nimm du den Hörer ab.“
Ernesto Cardenal
Für mich ist Ernesto Cardenal mit diesem Gebet ein Vorbild an Barmherzigkeit.
Und deshalb: Lasst uns, bevor wir übereinander urteilen, einander so anschauen, wie Ernesto Cardenal auf Marilyn Monroe geblickt hat. Mit den Augen der Liebe und der Barmherzigkeit.
Denn wahrscheinlich gilt für uns alle, was für Marilyn Monroe ganz besonders galt: dass wir der Liebe bedürftig sind.
Oder mit ihren Worten:
„Als ich ein kleines Mädchen war, hat mir niemand gesagt, dass ich schön bin.
Allen kleinen Mädchen sollte man sagen, dass sie schön sind, auch wenn sie es nicht sind.“
Ihr Pfarrer Peter Brändle
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